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Zweiklassenmedizin:
Was TK-Chef Baas wirklich sagt

2 min

Die Debatte um eine Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland wird durch kritische Äußerungen von TK-Chef Dr. Jens Baas zur Lage und Zukunft des Gesundheitssystems neu entfacht, was die Spannungen zwischen GKV, PKV und innerhalb der GKV verdeutlicht.

Die Kernkritik von TK-Chef

Dr. Jens Baas, eine der prominentesten Stimmen im deutschen Gesundheitswesen, äußert sich regelmäßig kritisch zu Strukturproblemen und Ungleichheiten. Seine Hauptargumente konzentrieren sich oft auf:

  • Unterschiede zwischen GKV und PKV:
    Baas hebt hervor, dass die PKV, insbesondere für Selbstständige und Besserverdienende, Zugang zu Leistungen bietet, die in der GKV nicht oder nur über private Zusatzversicherungen erhältlich sind. Dies betrifft beispielsweise schnellere Terminvergabe, Chefarztbehandlung oder Einbettzimmer im Krankenhaus. Er argumentiert, dass dies zu einer faktischen Zweiklassenmedizin führt, bei der der Zugang zu bestimmten Leistungen vom Versichertenstatus abhängt.
  • Wettbewerb innerhalb der GKV:
    Auch innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung sieht Baas Herausforderungen. Obwohl 95% der Leistungen gesetzlich vorgeschrieben und damit identisch sind, versuchen die Kassen, mit Zusatzleistungen wie Bonusprogrammen, erweiterten Vorsorgeuntersuchungen oder Zuschüssen zu alternativen Heilmethoden Mitglieder zu gewinnen. Baas kritisiert, dass dieser Wettbewerb nicht immer zu einer besseren Versorgung führt, sondern zu einer Unübersichtlichkeit für die Versicherten.
  • Finanzierung des Gesundheitssystems:
    Baas thematisiert immer wieder die Notwendigkeit einer nachhaltigen Finanzierung. Er betont, dass die demografische Entwicklung und der medizinische Fortschritt die Kosten weiter in die Höhe treiben werden. Hier fordert er eine faire Lastenverteilung und strukturelle Reformen.

Eine klare Übersicht der wichtigsten Unterschiede findest du hier: GKV oder PKV

Sind alle Kassenleistungen wirklich gleich?

Dr. Baas' Betonung, dass die Grundleistungen der GKV zu 95% identisch sind, ist korrekt. Das Sozialgesetzbuch V legt fest, welche Leistungen von allen gesetzlichen Krankenkassen erbracht werden müssen, darunter Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte und Medikamente. Die verbleibenden 5% machen jedoch einen entscheidenden Unterschied aus und sind Gegenstand des Wettbewerbs unter den Kassen:

  • Zusatzleistungen:
    Hierzu zählen beispielsweise Reiseimpfungen, erweiterte Zahnbehandlungen (z.B. professionelle Zahnreinigung), alternative Heilmethoden (Homöopathie, Osteopathie), Schwangerschaftsleistungen über das gesetzliche Maß hinaus oder spezielle Vorsorgeuntersuchungen.
  • Bonusprogramme:
    Viele Kassen bieten finanzielle Anreize für gesundheitsbewusstes Verhalten (Sportkurse, Nichtraucherprogramme).
  • Service:
    Unterschiede zeigen sich auch im Kundenservice, der Erreichbarkeit, digitalen Angeboten (Apps, ePA) und der Anzahl der Geschäftsstellen.

Diese Unterschiede können für Versicherte, je nach individuellen Bedürfnissen und Lebenssituationen, von großer Bedeutung sein und die Wahl der Krankenkasse maßgeblich beeinflussen. Hier geht’s zum Vergleich...

Auswirkungen auf Versicherte und das Gesundheitssystem

Die von Baas angesprochenen Punkte haben weitreichende Konsequenzen:

  • Ungleichheit im Zugang:
    Das Hauptproblem des "Zweiklassensystems" ist der ungleiche Zugang zu medizinischen Leistungen. Während PKV-Versicherte oft schneller einen Facharzttermin erhalten oder eine bevorzugte Behandlung im Krankenhaus genießen, müssen GKV-Versicherte teilweise längere Wartezeiten in Kauf nehmen.
  • Intransparenz für GKV-Versicherte:
    Die Vielzahl an Zusatzleistungen und Bonusprogrammen kann für GKV-Versicherte unübersichtlich sein. Es erfordert einen hohen Aufwand, die für die eigenen Bedürfnisse beste Kasse zu finden.
  • Solidarprinzip unter Druck:
    Die Kritik am Zweiklassensystem berührt die Grundpfeiler des Solidarprinzips der GKV, bei dem die Starken die Schwachen unterstützen. Wenn bestimmte Leistungen nur über die PKV oder kostenpflichtige Zusatzversicherungen zugänglich sind, untergräbt dies das Ideal der gleichen Gesundheitsversorgung für alle.

KassenKompass empfiehlt dir:

Die Aussagen von TK-Chef Baas unterstreichen die Notwendigkeit, sich aktiv mit der eigenen Krankenversicherung auseinanderzusetzen:

  • Vergleiche Leistungen aktiv:
    Nutze Vergleichsportale oder die direkte Anfrage bei den Krankenkassen, um die angebotenen Zusatzleistungen detailliert zu prüfen. Achte darauf, welche Leistungen für deine persönliche Situation relevant sind (z.B. Zahnleistungen, Reiseimpfungen, Schwangerschaftsleistungen).
  • Berücksichtige Deine Lebenssituation:
    Eine junge, gesunde Person hat andere Bedürfnisse als eine Familie mit Kindern oder ältere Menschen. Die "beste" Krankenkasse ist immer eine individuelle Entscheidung.
  • Informiere Dich über die ePA:
    Die elektronische Patientenakte soll den Informationsaustausch verbessern und Ihnen mehr Kontrolle über Ihre Gesundheitsdaten geben. Fragen Sie Ihre Kasse nach den Möglichkeiten.
  • Prüfe private Zusatzversicherungen:
    Falls bestimmte Leistungen, die Dir wichtig sind, von Deiner GKV nicht oder nur unzureichend abgedeckt werden, kann eine private Zusatzversicherung (z.B. Zahnzusatzversicherung, Krankenhauszusatzversicherung) eine sinnvolle Ergänzung sein. Einige gesetzliche Krankenkassen bezuschussen sogar private Zusatzversicherungen.

Die Debatte um das Zweiklassensystem wird weitergehen. Als Versicherter ist es wichtig, gut informiert zu sein und die eigene Krankenversicherung aktiv zu gestalten, um die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten.

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